


Die Betriebsstätte Auto-Dörge der Riebold-Rösner-Raith GmbH feierte 2006 ein seltenes Jubiläum in der Automobilbranche.
Vor 104 Jahren, also 1906 schuf der Maschinenmeister Gustav Dörge in der Neustadt in Northeim eine Reparaturwerkstatt für Automobile, Motorräder und Fahrräder.
Als Maschinist in der kaiserlichen Marine wurde seine Liebe zum Motor und zur Kraftmaschine geweckt, die er in praktischer Arbeit bei der Adler-Vertretung in Hannover vertiefen konnte und wo er sich die Kenntnisse und Erfahrungen für seinen künftigen Berufsweg als Besitzer einer Automobilwerkstatt aneignete.
Die Belegschaft bestand zu dieser Zeit aus zwei Gesellen und mehreren Lehrlingen.
Bei der Reparatur von Kraftfahrzeugen, Motorrädern und Fahrrädern war damals viel handwerkliches Geschick erforderlich. Viele Ersatzteile mussten nachgearbeitet oder auch angefertigt werden.
1907 wurde der erste Kraftwagen, ein Adler, an den seinerzeitigen Pächter des Klostergutes, Ernst Falkenhagen, verkauft. Der Handel mit Motorrädern und die Benzin-Oelstation der DAPG (früher ESSO) folgte. Gustav Dörge wurde der erste Automobilhändler in Northeim.
Es gehörte viel Mut dazu, in der Frühzeit des Automobils ein solches Unternehmen zu beginnen, zumal man sehr verkehrs- und motorfeindlich eingestellt war.
Automobile wurden dennoch benötigt. Die ersten Käufer waren Ärzte, Gutsbesitzer und Pastoren.
Ein Automobilhändler der damaligen Zeit konnte sich nicht nur auf den Vertrieb einer Marke festlegen, sondern handelte mit mehreren Fabrikaten. 1910 beendete Gustav Dörge seine Fahrlehrer-Ausbildung. Gustav Dörge war somit der erste Fahrlehrer in Northeim. Daraufhin kamen viele junge Leute zur Ausbildung zum neuen lohnenden Beruf des Chauffeurs.
Bis zum 1. Weltkrieg nahm der Betrieb einen erfreulichen Aufschwung. Der Kundenkreis wuchs und man musste an den Bau eines größeren Betriebes denken, der an einer Hauptstraße liegen sollte.
Nach dem Krieg wurde die Arbeit wieder aufgenommen: rückkehrende Heeresfahrzeuge und Lastkraftwagen wurden instandgesetzt. Die Automobilentwicklung und mit dieser die Werkstatt Gustav Dörge ging ständig aufwärts. Als vorsichtiger Geschäftsmann konnte Gustav Dörge die Inflationszeit und
die Wirtschaftskrisen 1929 – 1931 überstehen. Seinem unermüdlichen Schaffen setzte am 12. Januar 1932 der Tod ein Ende.
Der Schwiegersohn, Ing. Albert Riebold, übernahm den Betrieb. Eine längst erforderliche Erweiterung war nicht möglich, weshalb 1936 das Grundstück in der Göttinger Straße erworben wurde. Der Betrieb wurde von da an systematisch ausgebaut: Tankstelle, Garagen, Werkstatt und Autohalle wurden errichtet.
Am 6. Dezember 1939 wurde der erste Vertrag mit dem VW-Werk geschlossen, damit zählt Auto-Dörge zu den wenigen Partnern der 1. Stunde des
Volkswagen-Werkes.
Der 2. Weltkrieg machte dieser Entwicklung ein Ende. Ing. Albert Riebold und die Mitarbeiter wurden eingezogen. Der Betrieb musste geschlossen werden. Sämtliche Maschinen und Werkzeuge wurden von der Wehrmacht übernommen. Die Räumlichkeiten wurden von ausgebombten Betrieben aus Hannover genutzt. In den letzten Kriegstagen erlitt der Betrieb noch einen Bombenschaden, der aber instandgesetzt werden konnte.
Nach Kriegsende ergriff Frau Frieda Riebold, die zweitälteste Tochter von Gustav Dörge, die Initiative und eröffnete, ganz auf sich gestellt, im August 1945 das Unternehmen wieder. Mit einem Meister, einem Gesellen, einem Lehrling und einem Tankwart wurde der Neuanfang gemacht. Arbeit gab es genug. Die Wirtschaft hatte nur veraltete Fahrzeuge, die reparaturanfällig waren. Teile und Material gab es nicht, es galt zu improvisieren. Handwerkliche Arbeit war wieder gefragt.
Bereits 15 Mitarbeiter wurden beschäftigt als Ing. Albert Riebold 1947 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte.
Seit April 1973, als Ing. Albert Riebold verstarb, führte sein Sohn, Klaus Riebold, den Betrieb in der 3. Generation erfolgreich weiter.
Durch die von den Herstellern VW und AUDI gewünschte Markentrennung, wurde anfänglich 1983 eine sep. AUDI-Ausstellung in der Graf-Otto-Str. 6, gebaut. Im Anschluss wurde ein großes Freigelände für 200 Gebrauchtwagen mit “Drive-In” errichtet.
1996 wurde die komplette Tankstelle einschl. der Erdtanks an der Göttinger Straße entfernt.
Die stetige Erfüllung von baulichen Standards für die markengetrennten Fabrikate Volkswagen und AUDI forderten immer wieder neue Umbaumaßnahmen.
1997 wurde die Ausstellungshalle direkt an der Göttinger Straße für AUDI errichtet und der bereits vorhandene Bereich für VW modernisiert. Teilbereiche des zugekauften Postgelände, samt Gebäude, wurden Stück für Stück in das Autohaus integriert und damit der Standort des Betriebes gesichert.
Eine erneute Änderung der baulichen Standards für VW und AUDI-Betriebe erforderte etwas später separate, also völlig getrennte Marken-Betriebe.
Daraufhin wurden 1998 Gespräche zum Zusammenschluss der Betriebe in Northeim, Autohaus Am Harztor und Autohaus Raith in Nörten-Hardenberg aufgenommen. Zum 01.01.1999 wurden die Betriebe rechtlich zusammengeführt und arbeiten seit dem als Riebold-Rösner-Raith GmbH.
Seit diesem Tage ist die 4. Generation der Familie an der Reihe: Jörg und Kerstin Purwin, geb. Riebold, die Urenkelin des Firmengründers, sind nun verantwortlich für die Betriebsstätte Auto-Dörge – Ihr VOLKSWAGEN, VOLKKSWAGEN-Nutzfahrzeug und SEAT-Händler.
Auto-Dörge beschäftigt 40 Mitarbeiter und 6 Auszubildende.
Gustav Dörge kaufte einen Stoewer, der Gebrüder Stoewer Stettin und lagerte das Fahrzeug auseinandergebaut in einer Scheune ein.
Beim Umzug des Betriebes von der Northeimer Neustadt in die Göttinger Straße musste der Speicher leergeräumt werden.
Albert Riebold restaurierte das wertvolle Stück von seinem Schwiegervater.
Später wurde das Fahrzeug an einen Schausteller weiterverkauft.
Das Foto entstand ca. 1926: Fahrer Albert Riebold mit seiner Frau Frieda Riebold, geb. Dörge, zusammen mit Ihrer Schwester Luise Dörge. Die ganz hinten sitzende Dame ist uns nicht bekannt.
Frieda Riebold, Tochter des Firmengründers Gustav Dörge, in den 50er-Jahren
mit einem Karman Ghia Cabrio 1957, in der Göttinger Straße.
1906:
Entstehung
1907:
1. Automobilhändler
1910:
1. Fahrlehrer
Northeims:
Gustav
Dörge
1932:
† Gustav Dörge
Übernahme durch
Schwiegersohn Albert
Riebold
1936:
Umzug in die
Göttinger-Straße
1939:
Volkswagen Partner
2. Weltkrieg:
vorrübergehende Ruhe
1945:
Frieda Riebold eröffnet Betrieb neu.
1947:
Rückkehr von Albert
Riebold aus
russischer Kriegsge-
fangenschaft
1973:
† Albert Riebold
Übernahme durch
Sohn Klaus
Riebold
1983:
sep. Audi-Ausstellung
Errichtung von
Gebrauchtwagen-Freigelände
1996:
Abbau der Tankstelle
1997: Modernisierung
1999:
Gründung der Riebold-Rösner-Raith GmbH
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